Neues vom alten Castillo – und vom Pico Reales

Unterwegs im "Hinterland von Estepona"

Hier also die angekündigte Fortsetzung der Geschichte aus meinem letzten Artikel über Castellar de la Frontera und sein Castillo de Castellar. Denn neulich war ich in der Gegend unterwegs. Von der Küste aus hinauf zum Hausberg Esteponas, dem Pico Reales, und die Rückseite hinunter ins Künstlerdorf Genalguacil, so die Idee. Es blies jedoch recht stürmisch und kontinuierlich vom Meer landeinwärts. Bei sonst sonnigem Himmel bildeten sich am Gipfel des Pico Reales in fast 1.500 m Höhe permanent und im fliegenden Wechsel Wolken. Der Berg trug also Sturmfrisur. Ich ließ ihn daher links (bzw. rechts) liegen. Und beschloss stattdessen beim ums Eck liegenden Castellar in der Provinz Cádiz vorbeizuschauen. Schließlich gab’s da ja noch etwas zu erzählen.

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Die Bergfeste – von fern majestätisch …

Selbstverständlich war ich seit dem letzten Bericht schon einige Male wieder dort gewesen. Nur hatte ich jedesmal anderes im Sinn, und war immer nur ‚auf einen kurzen Sprung‘ dort. Diesmal also mit der nötigen Zeit, und wieder zum ‚Mitschreiben‘.

Was also gibt es Neues im alten Castillo de Castellar? Nichts! Alles wie gehabt – und aus dem Bilderbuch. Die letzten Kilometer dorthin durch den Naturpark Los Alcornocales, verwunschen. Die mittelalterliche Burgfeste samt Gäßchen, pittoresk. Das Panorama, ohne Worte. Der altrömische Wanderpfad zur Venta am Fluß, wildromantisch wie eh und je. Friedlich dösende Katzen im Geäst, auch das!

Das war’s? Alles schon gesehen, und bereits als sehenswürdigst befunden und beschrieben. Zu erzählen gibt’s also nur, dass es nichts neues zu erzählen gibt?

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… von innen weißes Dorf mit Aussicht …

Fast. Wie war das mit den Plänen für die Burg? Für einen Parador ebendort? Und mit den Plänen für die Konkursmasse aus dem seinerzeitig gigantischen Wirtschafts- und Politkrimi, der gigantischen Finca La Almoraima? Für die es keine bzw. viele Pläne gab?

2009 hatte sich hier wie dort etwas getan, und aufgetan, nämlich jeweils ein Hotel. Und jeweils nach entsprechend verschlungenen Klärungen der Kompetenzen und Eigentumsrechte zwischen den beteiligten staatlichen Ebenen: die Provinz Cádiz, die Autonome Region Andalusien und das Königreich Spanien.

Kurzum: Die Provinz Cádiz selbst betreibt mittlerweile zusätzlich zu den schon vorhandenen Casas Rurales auch ein Hotel direkt in der Burg. Der spanische Staat kam hier also mit seiner Parador-Hotelkette nicht zum Zuge. Statt eines weiteren Aushängeschildes ganz Spaniens in Form eines neuen Paradores, nun also ’nur‘ ein weiteres Aushängeschild der Provinz Cádiz und ihrer eigenen Hotelkette TUGASA – und entsprechend eine ‚Nummer kleiner‘, doch immerhin gleichsam als ‚paradorwürdig‘ geadelt.

Gato

… und dösenden Katzen im Geäst.

Paradorwürdig ist auch die Lage und Anlage des Hotels La Almoraima. Mehr als das. Schließlich bieten sich hier tatsächlich dem spanischen Staat alle Möglichkeiten, und damit theoretisch auch seiner Parador-Kette. Denn als Teil der Konkursmasse im Zuge der damaligen Verstaatlichung des bankrottgegangenen Konglomerats RUMASA ist seitdem weiterhin der spanische Staat Eigentümer des riesigen Anwesens Finca La Almoraima. Alle Pläne der Regionalregierung Andalusiens, zumindest mit von der Partie bei diesem Prachtgrundstück und seiner Nutzung zu sein, liefen ins Leere.

Das Hotel La Almoraima selbst befindet sich in einer restaurierten ehemaligen Klosteranlage aus dem 17. Jahrhundert, ist entsprechend exklusiv und wird vielleicht doch noch eines Tages – ein Parador. Ich werde berichten.

Auf dem Weg zurück war übrigens die dichte Wolkenfahne rund um den Gipfel des Pico Reales verschwunden. Also kurzentschlossen abgebogen und dem Gipfel entgegen. Der Wind blies weiterhin, und weiterhin landeinwärts. Die Sturmfrisur war also nur kurzzeitg weggeblasen und legte sich während meiner Fahrt nach oben wieder neu und dauerhaft um den Gipfel. Was soll’s. Weiter hinauf, und statt des spektakulären Aus- und Überblicks aus gut 1.5 km Höhe (wie aus einem Flieger beim gemächlichen Sinkflug) dann wenigstens das sausende Wolkenspektakel aus nächster und nebliger Nähe.

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Wolkenschauspiel – am Gipfel des Pico Reales …

Und, sieh an, auch dort, soweit ich tatsächlich sehen konnte, auch alles (fast) wie immer: Beeindruckende einzigartige Natur und Berglandschaft, einige wenige Picknick-Ausflügler an den Tischen im Freien und in der Berghütte (ein Teil der Hütte wird jetzt sporadisch als Bar/Restaurant betrieben), vereinzelte Wanderer auf den Gipfelpfaden, eine Familie iberischer Steinböcke beim gemütlichen Äsen zwischen den Bäumen und Felsen und Wolken (daher kein Foto)…

PicoReales_2

… und auf dem Weg dorthin.

Also, auf ein Neues, demnächst, ohne Wolken.

Nachfolgend die Adressen und Rufnummern der erwähnten beiden Hotels und der Venta am Fluss (Bar/Restaurant mit Wildspezialitäten):

TUGASA Hotel Castillo de Castellar
Calle del Rosario, 3
11350 Castellar de la Frontera
+34
Webseite

Hotel La Almoraima


+34 956 69 30 02
Webseite

Restaurant Venta La Jarandilla
Acceso al Castillo de Castellar
+34 956 64 70 30

Munir

Munir ist Kultur- und Sozialwissenschaftler und Gastronom, und erfahrener Motorradreisender. Die iberische Halbinsel, und speziell Andalusien, bieten ihm für all dies ein weites und reiches Feld. Besonders am Herzen liegen ihm die Serranías (und Weine) rund um Ronda, und generell das Andalusien jenseits der Hauptrouten.
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About Munir

Munir ist Kultur- und Sozialwissenschaftler und Gastronom, und erfahrener Motorradreisender. Die iberische Halbinsel, und speziell Andalusien, bieten ihm für all dies ein weites und reiches Feld. Besonders am Herzen liegen ihm die Serranías (und Weine) rund um Ronda, und generell das Andalusien jenseits der Hauptrouten.

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