Die besondere Art, Kaffee zu bestellen

Das gibt es nur in Málaga

Inspiriert von dem Artikel Kaffee in Andalusien – Anekdoten & Wissenswertes in der Strandgazette, bin ich der Besonderheit der vielen Kaffeevarianten in Málaga einmal auf den Grund gegangen.

Kaffee ist nicht gleich Kaffee

Wenn man in Spanien einen Kaffee bestellt, hat man traditionell die Auswahl zwischen einem café con leche (Kaffee mit Milch), einem café solo (schwarz, wie ein Espresso, meist etwas größer bzw. länger), einem cortado (café solo mit einem kleinen Schuss Milch) und einem carajillo (café solo mit einem Schuss Brandy oder Anisschnaps). Seit Neuestem gibt es auch noch den americano (schwarzer Kaffee mit der doppelten Menge Wasser, speziell für die Touristen, denen der café solo zu stark ist). Bis auf den Milchkaffee eigentlich eine klare Sache. Manche mögen diesen mit wenig Kaffee und viel Milch, andere wiederum umgekehrt, viel Kaffee mit wenig Milch. Das muss man dann bei der Bestellung mit angeben, und wenn man Glück hat, bekommt man ihn so, wie man ihn mag.

Kaffevarianten Malaga

Diese Kaffeevarianten kennt man nur in Malaga

In der Provinz Málaga (und nur hier) hat man es einfacher, denn es gibt neben dem café solo acht Varianten von Milchkaffee (siehe Schaubild), die üblicherweise in einem Glas serviert werden und ein unterschiedliches Mischungsverhältnis von Kaffee und Milch aufweisen. Nur, wie kommt es, dass man diese Varianten nur in der Provinz Málaga kennt? Denn wenn Ihr einen nube oder sombra andernorts, etwa in Granada, bestellt, werdet Ihr höchstens fragende Blicke ernten.

Wo alles begann

Meine Recherche führt mich in das Café Central in Málaga. Wie lange es dieses Traditions-Café schon gibt, weiß man nicht so genau, aber im Jahre 1910 hatte es sicher schon existiert. Genau hier wurden diese unterschiedlichen Kaffeetypen erfunden, und zwar im Jahre 1954 von dem damaligen Besitzer José Prado Crespo. Die Nachkriegszeit war auch in Spanien eine schwierige Zeit. Die Leute arbeiteten hart und hatten wenig Geld. So arbeitete auch José von früh morgens bis spät abends hinter seiner Theke und servierte Kaffee, ein zur damaligen Zeit ausgesprochenes Luxusgetränk, das sich nicht viele leisten konnten. Bei seinen Kaffeekunden viel ihm auf, dass fast jeder an seinem Kaffee etwas auszusetzen hatte, manche ihn deswegen im Tausch gegen einen neuen zurückgehen ließen und andere ihn nicht austranken. Einigen war er zu stark, anderen zu schwach. José, als praktisch veranlagter Mann, sann nach einer Lösung. Er machte sich daran, die unterschiedlichen Geschmäcker seiner Kunden zu kategorisieren und schuf eine Schautafel mit den besagten Kaffeetypen und gab ihnen ihre Namen.

Von der Hauptstadt in die Provinz

Das Café Central war in jener Zeit der zentrale Treffpunkt, nicht nur für die Bürger der Stadt Málaga, sondern auch für alle, die aus den unterschiedlichsten Ecken der Provinz für Behördengänge und Besorgungen in die Hauptstadt kamen. So kam es, dass diese Kaffeevarianten in kürzester Zeit in der ganzen Provinz bekannt und von den dortigen Gastronomen übernommen wurden.

Auch heute gehen die Malagueños noch gerne in das Central, um Churros mit Chocolate oder zu einem Gläschen Wein oder Bier eine der leckeren Tapas zu essen.

Café Central
Plaza de la Constitución 11
29015 Málaga
+34 952 224 972
täglich 08:00 – 24:00 Uhr
Webseite

Jürgen

Jürgen

Auf Entdeckungsreise in Andalusien - am liebsten mit meiner Kamera draussen in der Natur. Als Tour Guide organisiere ich private Ausflüge, Wanderungen und Fotoexkursíonen in vielen Regionen Andalusiens.
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